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Was Sie schon immer über Feedback wissen wollten — Teil 4

In dem heuti­gen Blog möchte ich die zweite Kom­mu­nika­tions-Tech­nik beschreiben, die Bestandteil von Feed­back geben ist. Wie kann ich mich so aus­drück­en, dass ich bei mir bleibe ohne über­grif­fig auf meinen Gesprächspart­ner zu wirken? Wenn ich Feed­back geben möchte, ist das neben aktiv zuhören der zweite wichtige Bestandteil.

Ich- und Du-Botschaften

Meine Beobach­tun­gen, die ich anderen mit­teilen möchte, soll­ten so for­muliert sein, dass sie das sit­u­a­tive Ver­hal­ten der Per­son präzise beschreiben. Denn Men­schen ver­hal­ten sich sit­u­a­tiv unter­schiedlich und nie gle­ich. So kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass For­mulierun­gen wie „Du bist immer so…“ schlicht weg nicht zutr­e­f­fen kön­nen. Im All­t­ags­ge­brauch sind uns solche Du-Botschaften jedoch sehr bekan­nt und wir benutzen sie häu­fig. Eine Per­son ist per se nicht, eine Per­son ver­hält sich je nach Kon­text und Tages­form sit­u­a­tiv unter­schiedlich.

Eine Rück­mel­dung wie „Du bist immer so…“ wäre eine Du-Botschaft, deren Wirkung auf meinen Gesprächspart­ner eher unan­genehme Gefüh­le erzeu­gen würde. Ich schreibe meine unre­flek­tierten Inter­pre­ta­tio­nen ein­er Per­son zu. Wer­den Du-Botschaften aus­ge­sprochen, kön­nen sie Wider­stand, Ver­let­zun­gen, Abwehrhal­tung, Ärg­er, ungute Gefüh­le etc. beim Gegenüber verur­sachen. Men­schen kön­nen sich durch solche For­mulierun­gen ange­grif­f­en, zu Unrecht beschuldigt, ver­let­zt, beschämt, etc. fühlen und schnell in Vertei­di­gung­shal­tung kom­men. Denn bei dieser For­mulierung bin ich bei meinem Gegenüber und nicht mehr bei mir.
Die Wirkung sig­nal­isiert „Ich bin ok, Du bist nicht ok!“ Wir erheben uns über jeman­den. Auch ver­stärken Uni­ver­salquan­toren wie immer, oft, häu­fig, ständig, nur, etc. diese Wirkungsweise. Solche Behaup­tun­gen und Zuschrei­bun­gen wirken ger­ingschätzig. Weit­er bleiben sie unkonkret, denn wir ver­hal­ten uns sehr vielfältig und nicht immer gle­ich.
Wir kön­nen nicht wis­sen, welche Gründe für eine andere Per­son vor­liegen, sich in ein­er bes­timmten Art zu ver­hal­ten, es sei denn wir unter­hal­ten uns darüber in Form ein­er Metakom­mu­nika­tion, um dies trans­par­ent zu machen. Erst dann haben wir die Möglichkeit unsere inneren Bilder oder Annah­men zu über­prüfen (dies kann bspw. mit aktiv­en Zuhören gut erfol­gen).

Meines Eracht­ens soll­ten wir Du-Botschaften kom­plett aus unserem Sprachge­brauch stre­ichen und nicht nur beim Feed­back geben darauf acht­en 😉 – übri­gens gelingt es uns allen nur mehr oder weniger. Ich beobachte oft, dass Eltern mit ihren Kindern sehr häu­fig in Du-Botschaften sprechen.

Wie mache ich das nun, dass wir zu einem Aus­tausch auf Augen­höhe kom­men kön­nen? Dazu sind soge­nan­nte Ich-Botschaften unab­d­ing­bar.

Ich-Botschaften benen­nen ein Ver­hal­ten konkret und präzise und beschreiben dessen Wirkung auf mich. Dabei mache ich deut­lich, was ich sub­jek­tiv beobachtet habe (Sachaspekt – was, wie) und benenne die Auswirkung auf mich (Beziehungsaspekt — warum).

Sie erzeu­gen bei dem Gegenüber eher Nach­den­klichkeit und Bere­itschaft in den Dia­log zu gehen. Bei der For­mulierung bleibe ich bei mir und ver­mei­de ungeprüfte Zuschrei­bun­gen. Ich erhebe mich nicht über jemand, son­dern kom­mu­niziere klar und kon­gru­ent auf Augen­höhe. Es geht dabei nicht darum ellen­lange oder auch ver­schwurbelte Sätze zu for­mulieren oder Sachver­halte weich zu spülen.

Beispiel

Sit­u­a­tion: Wir haben in unserem Team regelmäßige Dai­ly Standups vere­in­bart. Im let­zten Standup kam Kol­lege A 15 Minuten zu spät. Im heuti­gen Dai­ly Standup kommt Kol­lege A eben­falls 15 Minuten zu spät. Das ist der Sachver­halt, der beobacht­bar war. Die Gründe hier­für kenne ich erst mal nicht, es sei denn, Kol­lege A hat sie aus­ge­sprochen. Was in diesem Beispiel nicht geschehen ist.

Eine Du-Botschaft kön­nte nun laut­en:

Ständig kommst Du zu spät!“ oder „Immer kommst Du ständig zu spät!“

Ver­suchen Sie sich nun ein­mal die Rolle von A zu begeben und schauen Sie, wie so eine For­mulierung auf Sie wirken würde, wenn Sie als A mor­gens 15 Minuten später dazukä­men? Was bewirkt in Bezug auf Ihre Integrität, Ihre Moti­va­tion, Ihren Energie-Haushalt, etc.?

Eine Ich-Botschaft kön­nte wie fol­gt sein:

Ich sehe, dass Du heute zum 2. Mal 15 Minuten später zu unserem Dai­ly Standup kommst. Let­zte Woche kamst Du eben­falls 15 Minuten später (Sachebene, Beschrei­bung was ich gese­hen, beobachtet habe). Ich merke bei mir, dass mich das stört, ärg­ert, irri­tiert, aufhält, hemmt, da ich unter Zeit­druck ste­he. (Beziehungsebene: wie wirkt sich dieses Ver­hal­ten sub­jek­tiv auf mich uns unsere Beziehungsebene aus).“

Im Nach­gang kön­nten Sie nun beispiel­sweise eine Frage noch anhän­gen. Bspw. „Was ist der Grund dafür?“ oder „Wie kommt das?“ und in einen Dia­log mit dem Anderen gehen.

Merke: Wir kön­nen Du- und Ich-Botschaften nicht daran unter­schei­den, ob der Satz mit dem jew­eili­gen Per­son­al­pronomen anfängt oder nicht! Wir kön­nen sie jedoch über die Wirkung erken­nen. Lösen sie Wider­willen und unan­genehme Gefüh­le aus oder nicht?

  • Ich sehe, Du bist so…“ wäre eben­falls eine Du-Botschaft.
  • Ich sehe, Du kommst heute 15 Minuten später…“ wäre eine Ich-Botschaft, die meine Beobach­tung beschreibt.

Übung – Notieren Sie kurz und knapp:

  • Welche Du-Botschaft hören Sie in Ihrem Arbeit­sum­feld, in Ihrer Fam­i­lie, in Ihrem Umfeld?“
  • Welche Du-Botschaften ver­wen­den Sie häu­fig unbe­wusst im Arbeit­skon­text oder auch im Fam­i­lienkon­text?“

Ver­suchen Sie nun, diese Du-Botschaften in Ich-Botschaften umzu­for­mulieren. Beziehen Sie sich zuerst auf die Sachebene, was sind die Fak­ten:

  • Was genau haben Sie beobachtet, dass Sie zu solch ein­er Du-Botschaft ver­an­lasst?
  • Ver­suchen Sie die Sit­u­a­tion so konkret zu erfassen? Was ist passiert? Was genau hat Ihr Gegenüber getan oder auch nicht getan?
  • Wann genau haben Sie das beobachtet?
  • Ist es das erste Mal?

Nun begeben Sie sich auf die Beziehungsebene.

  • Was löst dies bei Ihnen aus?
  • Was macht das mit Ihnen?
  • Was nehmen Sie ggf. kör­per­lich bei sich wahr?
  • Wie fühlten Sie sich vorher und wie fühlten Sie sich im Anschluss an das beobacht­bare Ver­hal­ten?
  • Wie kön­nen Sie das grif­fig für sich aus­drück­en.

Wie alles im Leben, ist die Verän­derung unseres Kom­mu­nika­tionsver­hal­tens erlern­bar und entste­ht durch stetiges Üben. Mit jed­er weit­eren neuen Anwen­dung von Ich-Botschaften, ver­ler­nen wir alte Du-Botschaften, bis neue konkretere und wertschätzen­dere For­mulierun­gen irgend­wann in unser alltäglich­es Han­deln überge­hen.
Anfangs hil­ft es, sich Zeit zu nehmen und zu über­legen, worum es uns eigentlich wirk­lich in solchen Sit­u­a­tio­nen, die uns unbe­wusst zu Du-Botschaften greifen lassen, geht und kurz zu notieren, welche einzelne konkrete Sit­u­a­tion wir benen­nen wollen und was diese mit uns gemacht hat. Dazu ist eine Por­tion Mut und Offen­heit (auch zu sich selb­st) erforder­lich.

Je konkreter wir uns aus­drück­en, desto eher kann sich unser Gesprächspart­ner an die jew­eilige Sit­u­a­tion erin­nern und sich in den Kon­text zurück­ver­set­zen. Wir begin­nen dadurch auf Augen­höhe mit einan­der zu reden und ver­mei­den es, übere­inan­der zu reden.

Nun haben Sie bei­de wichti­gen Tech­niken für den Ablauf eines kon­struk­tiv­en Feed­backs zu Förderung gel­ernt! Wie wir bei­des nun zu einem wirk­samen Feed­back anwen­den kön­nen, beschreibe ich in meinem näch­sten Blog.

Bis dahin viel Spaß bei Anwen­den und Aus­pro­bieren! Und wer in der Gruppe üben möchte, schaut gerne in unserem öffentlichen Work­shop Ein­führung ein­er Feed­back-Kul­tur vor­bei.

Her­zliche Grüße

Clau­dia Schröder

P.S.: Wer noch mehr dazu hören, sehen, erleben möchte — am 13. Jan­u­ar 2016 ver­anstal­ten wir einen kosten­losen Info-Abend bei Eparo zum The­ma Das Ein­mal-Vier ein­er kol­le­gialen Kom­mu­nika­tion