In Kürze wird das Her­stellerkon­sor­tium Object Man­age­ment Group (OMG) mit Ver­sion 2.0 der Uni­fied Mod­el­ing Lan­guage (UML) einen wichti­gen Stan­dard für den Entwurf von Soft­warelö­sun­gen ver­ab­schieden. OMG-Vor­stand Richard Soley erk­lärt im CW-Gespräch mit Clau­dia Schröder*, wie Entwick­ler ihre UML-Ken­nt­nis­sen zer­ti­fizieren lassen kön­nen, um mit dieser Qual­i­fika­tion ihre Chan­cen am Markt zu steigern.

CW: Warum sollte ein Soft­wa­reen­twick­ler ein “OMG Cer­ti­fied UML Pro­fes­sion­al” wer­den?

SOLEY: UML ist heute der De-fac­to-Stan­dard zur Mod­el­lierung von Anwen­dun­gen. Er hat viele der früheren Eige­nen­twick­lun­gen in diesem Bere­ich abgelöst und wird in Zukun­ft ein noch wichtiger­er Bestandteil von Soft­ware­pro­jek­ten sein. So beto­nen auch bekan­nte Per­sön­lichkeit­en aus der Indus­trie wie Bill Gates und IBMs Soft­ware­stratege Steve Mills immer wieder, wie zen­tral die Mod­el­lierung für die Soft­wa­reen­twick­lung ist. Viele Her­steller und die Open-Source-Gemeinde haben bere­its damit begonnen, ihre Werkzeuge an die neue Ver­sion 2.0 anzu­passen. Das Ein­satzspek­trum der Tools reicht dabei von der Arbeit unter Win­dows, Unix undLin­ux bis hin zu Embed­ded-Sys­te­men und Main­frames. Zudem ist die UML 2.0 der Grund­stein der OMG-Ini­tia­tive zur Mod­el Dri­ven Archi­tec­ture (MDA).

CW: Wie kön­nen sich Soft­wa­reen­twick­ler auf den neuen Stan­dard vor­bere­it­en?

SOLEY: Angesichts der großen Ver­bre­itung von UML soll­ten sich Entwick­ler jet­zt auf die Arbeit mit dem neuen Stan­dard vor­bere­it­en. Hierzu bieten wir das Pro­gramm “MDA-Fast­start”, das Infor­ma­tio­nen zur MDA-Ini­tia­tive (www.omg.org/faststart/index.htm) ver­sam­melt, sowie das “OMG-Cer­ti­fied UML Pro­fes­sion­al Pro­gram” (OCUP). Let­zteres ist das offizielle Zer­ti­fizierung­spro­gramm, das wir mit unserem Part­ner UML Tech­nol­o­gy Insti­tute entwick­elt haben (www.omg.org/uml-certification/index.htm).

CW: Es wird für OCUP mehrere Zer­ti­fizierungsstufen geben. Was benötigt ein Entwick­ler für den Ein­stieg?

SOLEY: OCUP unter­gliedert sich in die Fer­tigkeitsstufen Fun­da­men­tal, Inter­me­di­ate und Advanced. Wir erwarten, dass sich die meis­ten Inter­essen­ten mit der Fun­da­men­tal-Stufe zufrieden geben. Diese Zer­ti­fizierung ist bere­its jet­zt in Japanisch und Englisch möglich. Entwick­ler, die bele­gen wollen, dass sie weit­erge­hende UML-Ken­nt­nisse besitzen und auch kom­plexe Auf­gaben meis­tern kön­nen, wer­den sich für die anderen bei­den Stufen prüfen lassen.

CW: Die UML 2.0 ist noch nicht endgültig ver­ab­schiedet. Kom­men die Tests nicht zu früh?

SOLEY: Die Spez­i­fika­tio­nen sind tech­nisch kom­plett. Es müssen jet­zt nur noch die ver­schiede­nen, sich ergänzen­den Einzel­beiträge zu UML 2.0 zu ein­er gemein­samen und vere­in­facht­en Doku­men­ta­tion zusam­menge­fasst wer­den. Daran arbeit­et derzeit die UML 2.0 Final­iza­tion Task Force der OMG.

CW: Viele Pro­gram­mier­er nutzen in der Prax­is bish­er nur wenige, ein­fache Ele­mente von UML. Die Anforderun­gen für eine Zer­ti­fizierung für Ver­sion 2.0 sind aber wesentlich umfassender. Wie sind Ihre Erwartun­gen zur Akzep­tanz des Zer­ti­fizierung­spro­gramms?

SOLEY: Es ist sich­er richtig, dass viele Entwick­ler die UML nur für einen speziellen Bere­ich benutzen, vor allem Klassendi­a­gramme und Use Cas­es; aber dies ignori­ert die Stärke und die Ele­ganz der Sprache. Die UML ver­fügt nun über sehr mächtige Aus­drucksmit­tel, um kom­plexe Geschäft­sprozesse und Zeitab­hängigkeit­en von Echtzeit­sys­te­men zu definieren. Die UML nur zu benutzen, um hüb­sche Bilder zu malen, ist eine über­holte Tech­nik.

CW: Für was sollte UML ihrer Mei­n­ung nach genützt wer­den?

SOLEY: Wir hof­fen, dass OCUP Entwick­ler und Entwick­lung­sor­gan­i­sa­tio­nen dabei hil­ft und motiviert, mit UML auch umfassende mod­ell­getriebene Architek­turen zu entwer­fen, mit denen sich Sys­teme bauen lassen, die Jahrzehnte und nicht nur Monate über­dauern. Außer­dem soll­ten sich Entwick­ler nicht vom Umfang der UML-2.0-Spezifikationen ein­schüchtern lassen. Diese sind in erster Lin­ie für Imple­men­tier­er wie etwa Werkzeugher­steller wichtig. Wer sich jet­zt erst ein­mal mit dem Stan­dard ver­traut machen möchte, sollte sich eines der vie­len neuen Büch­er zu UML 2.0 und MDA besor­gen.

CW: Wie läuft die Zer­ti­fizierung ab?

SOLEY: Die OCUP-Tests sind über den OMG- und UTI-Test­part­ner Thom­son Pro­met­ric (www.2test.com/index.jsp) erhältlich. Ein Überblick des Pro­gramms in Englisch find­et sich unter: www.omg.org/uml-certification/index.htm. Andere Sprachen wer­den 2004 ver­füg­bar sein. Zusät­zlich entwick­eln wir und UTI derzeit zusam­men mit Kon­feren­zver­anstal­tern weit­ere Tes­tange­bote. Im deutschsprachi­gen Raum find­et die Pre­miere im Jan­u­ar auf der Kon­ferenz “OOP” in München statt. Dort wer­den wir zusam­men mit dem Ver­anstal­ter und dem deutschen UML-Spezial­is­ten oose.de eine Zer­ti­fizierung für die Kon­feren­zteil­nehmer anbi­eten, und ich werde den ersten Absol­ven­ten das Zer­ti­fikat per­sön­lich übergeben.

CW: Wie kann sich ein Soft­wa­reen­twick­ler auf den Test zum OMG Cer­ti­fied UML Pro­fes­sion­al vor­bere­it­en?

SOLEY: Bish­er gibt es keine gebil­ligten Train­ing­spro­gramme oder Organ­i­sa­tio­nen. Wir haben aber alle Anforderun­gen in ein­er “Cov­er­age” veröf­fentlicht (www.omg.org/uml-certification/program.htm). Da an OCUP bekan­nte Autoren mit­gewirkt haben, kön­nen Sie mit entsprechen­den Büch­ern zur Testvor­bere­itung rech­nen. (as)

*Clau­dia Schröder arbeit­et als unab­hängige IT-Bera­terin und koor­diniert das The­ma UML-Zer­ti­fizierung im deutschsprachi­gen Raum.

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